US-Präsident Jimmy Carter empfängt Gotthilf Fischer zu einer Privataudienz und nimmt aus seinen Händen die ihm zu Ehren komponierte "Friedensmesse" entgegen. Für Papst Paul VI. schreibt Fischer einen Choral, der von den Fischer-Chören im Jahr 1975 im Petersdom in Rom uraufgeführt wird. Doch einer der wirklichen Höhepunkte seines musikalischen Lebens war der Auftritt im Münchener Olympia-Stadion bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1974. Vor dem legendären Endspiel Deutschland – Holland erlebten über einer Milliarde Menschen an den Fernsehgeräten die Darbietungen der berühmten Fischer-Chöre! Für Gotthilf Fischer und seine Chöre war dies der internationale Durchbruch, der ihnen vor allem in Japan und Russland viele neue Freunde bescherte. Heute kann Gotthilf Fischer die goldenen Schallplatten, Medaillen und Trophäen gar nicht mehr alle aufzählen. Natürlich ist der "Remstal-Karajan", wie er auch genannt wird, stolz auf seine Erfolge. Doch darüber hat er seine Bodenständigkeit, seinen Sinn fürs Wesentliche und seine sympathische Art kein bisschen eingebüßt!
Gotthilfs Devise heißt auch heute noch: "Singen macht frei. Löst Spannungen, bringt Verständigungen. Singen heißt atmen, sich äußern (…). Das kann jeder für sich alleine tun, das kann man in der Gemeinschaft…! Doch auch in der Gemeinschaft muss es Spaß machen, freiwillig geschehen und ohne Zwang funktionieren. Vielleicht ist die Tatsache, dass Spaß und Geselligkeit bei den Fischer-Chören auch immer mit an vorderster Stelle standen, das große Geheimnis. Hier zitiert Fischer gerne den großen Pädagogen Pestalozzi: "Humanität und Musik gehören zusammen – wo eines fehlt, da fehlt das andere".
Die Fischer-Chöre betätigen sich auch gerne als Benefiz-Chöre. Das Singen für einen guten Zweck ist eine Selbstverständlichkeit. Fischer versteht seine Tätigkeit auch als Dienst an der Allgemeinheit. Er hilft nicht nur mit Geld, sondern auch und vor allem mit seinen Liedern. Die Fischer-Chöre wollen unterhalten – einerseits. Anderseits sieht Fischer seine Berufung aber auch darin, die Leute zum Mitsingen zu bewegen. "Schließlich hat jeder Mensch eine Stimme – und das nicht nur bei Wahlen. Die Menschen warten förmlich darauf, mitsingen zu dürfen!" Nicht umsonst findet die von ihm initiierte "Sing-mit-Bewegung" so regen Zuspruch!
Hat Gotthilf Fischer denn seinen Traum verwirklichen können? Er träumte von Größerem: "von Chören mit einer Klangwirkung, die wie ein Flirren von Noten in der Luft sein sollte, einem Rausch von Tönen, erzeugt von Hunderten von Einzelstimmen, die sich in der Harmonie finden." Dieser Traum ist sicher wahr geworden.
Doch Ziel seines Schaffens war und ist auch, den Menschen das Deutsche Volkslied wieder näher zu bringen. "Andere Länder schätzen ihr althergebrachtes Liedgut viel mehr, überall in der Welt. Und überall in der Welt, wo Deutsche leben, gilt auch das Deutsche Volkslied viel mehr als hier bei uns. Ich will es bei uns wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen bringen, besonders der jungen Menschen…" – Damit ist man wohl auch nach 80 Jahren noch nicht fertig!